Heitmatkreisgemeinschaft Bartenstein/Ostpr. e.V.

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Zur Entstehung und Entwicklung des Kreises Friedland/Bartenstein:

Die Erschütterungen, welche die preußische Gesamtmonarchie in der napoleonischen Zeit erfahren musste, führten zu tiefgreifenden Umwälzungen, die in den Stein-/Hardenberg’schen Reformen des preußischen Staates ihren Ausdruck fanden. Sie brachten nach dem Wiener Kongress u. a. eine völlige Veränderung der Verwaltungsstrukturen. Bei der Neuorganisation der Kreisgliederung im Rahmen dieser Veränderungen entstand mit Wirkung vom 1. Februar 1818 erstmals eine Gebietskörperschaft mit der Bezeichnung „Kreis Friedland“.
Dieser Kreis umfasste zunächst die Kirchspiele: Abschwangen, Allenau, Allenburg, Almenhausen, Auglitten, Böttchersdorf, Deutsch Wilten, Domnau, Friedenberg, Friedland, Georgenau, Groß Schönau mit der Filiale Langenau, Klein Schönau, Klingenberg, Schippenbeil, Schönbruch, Schönwalde und Stockheim.
Das Landratsamt dieses neugebildeten Kreises war in Friedland.
 
Bereits zum 1. April 1819 kam es zu wesentlichen Änderungen dieser Kreisgrenze:

  • Die Kirchspiele Almenhausen und Abschwangen wurden aus dem Kreis Friedland aus- und in den damals noch so bezeichneten Kreis Kreuzburg eingegliedert.
  • Die Kirchspiele Bartenstein, Falkenau, Gallingen und Groß Schwansfeld kamen vom Kreis Rastenburg zum Kreis Friedland.
  • Die Kirchspiele Friedenberg und Groß Schönau wurden aus dem Kreis Friedland aus- und in den Kreis Gerdauen eingegliedert.
  • Das Kirchspiel Allenburg gehörte fortan zum Kreis Wehlau.

Der Kreis Friedland bestand somit seit diesem Zeitpunkt aus den nachfolgend genannten  Kirchspielen. Die Grenzen dieser in der Zeit der deutschen Kolonisation durch den Deutschen Orden entstandenen Kirchengemeinden stellten die älteste und beständigste territoriale Gliederung Altpreußens dar. Sie hat von der Zeit des Deutschen Ordens bis in das 20. Jahrhundert hinein Bestand gehabt. Alle Verwaltungsgrenzen, die nach dem Ende der Deutschordensherrschaft bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg verändert worden sind, blieben mit ganz wenigen und geringen Ausnahmen an diesen Kirchspielsgrenzen orientiert. Diese Ausnahmen waren bei der endgültigen Grenzziehung für den Kreis Friedland folgende:

  • Das zu Markienen gehörende Gutsvorwerk Paulienen verblieb bei der Kirche zu Borken, die im Kreis Pr. Eylau lag.
  • Das Gut Gomthenen, das bei der Kreiseinteilung 1819 an den Kreis Pr. Eylau kam, verblieb weiterhin beim Kirchspiel Schönbruch.
  • Das Gutsvorwerk Ranglack und der Ort Plenitten (Gemeinde Mostitten), die 1819 zum Kreis Pr. Eylau kamen, verblieben weiterhin beim Kirchspiel Domnau.
  • Die seit 1819 im Kreis Wehlau liegende Gemeinde Albrechtsheide verblieb weiterhin beim Kirchspiel Klein Schönau.

Weitere Abweichungen von der Regel, dass Kirchspielsgrenzen und Kreisgrenzen identisch
waren, hat es erst im Jahre 1928 in wenigen Fällen gegeben.

In der Reihenfolge ihrer Lage im Kreisgebiet von Norden nach Süden aufgezählt, bildeten ab 1819 folgende Kirchspiele den Kreis Friedland: Klein Schönau, Stockheim, Auglitten, Schönwalde, Domnau, Georgenau, Friedland, Allenau, Böttchersdorf, Deutsch Wilten, Klingenberg, Schönbruch, Schippenbeil, Bartenstein, Falkenau, Gallingen, Groß Schwansfeld. Das große Kirchspiel Bartenstein mit zwei Kirchen wurde im Jahre 1834 geteilt. Die am nördlichen Stadtrand gelegene Kirche St. Johann bildete fortan mit den nördlich der Alle gelegenen Orten des bisherigen Gesamtkirchspiels ein eigenes Kirchspiel „Bartenstein/St. Johann“. Die Außengrenzen dieser insgesamt 18 Kirchspiele bildeten mit den bereits genannten wenigen Ausnahmen bis in das 20. Jahrhundert hinein zugleich die Grenzen des Kreises Friedland.
Dienstsitz der beiden ersten Landräte (v. Sanden 1819 - 1833 und Botho Heinrich Graf zu Eulenburg-Wicken 1833 - 1843) wurde die Stadt Friedland.
Das Amt des Landrats übernahm 1845 (nach anderer Darstellung bereits ab 1843) der in der Nähe von Domnau begüterte Heinrich v. Gottberg (1785 - 1859), der bis 1857 in diesem Amt verblieb. Der Dienstsitz des Landrats wurde am 1. April 1845 von Friedland nach Domnau verlegt. Die amtliche Bezeichnung dieses Kreises blieb weiterhin „Kreis Friedland“.
Im Jahre 1857 folgte Otto v. Gottberg (1831 - 1913) seinem Vater als Landrat. Als er zum 1. Oktober 1893 aus gesundheitlichen Gründen um seine Pensionierung nachgesucht hatte, wurde vom Kreistag einstimmig sein seit März 1893 kommissarisch tätiger zweiter Sohn, der Reg. Assessor Heinrich v. Gottberg (1864 - 1931) als Nachfolger vorgeschlagen. Mit Jahresbeginn 1894 erhielt er seine Bestallung zum Landrat des Kreises Friedland.
Nachdem in Bartenstein, der größten und bedeutendsten Stadt des Kreisgebietes, ein neues Kreishaus errichtet worden war, wurde der Dienstsitz des Landrats zum 1. Oktober 1902 dorthin verlegt. Der Kreis führte jedoch weiterhin die Bezeichnung „Kreis Friedland“. Landrat Heinrich v. Gottberg musste wegen schwerer Erkrankung zum 1. Oktober 1908 sein Amt aufgeben und bis auf weiteres aus dem Staatsdienst ausscheiden. Nachfolger wurde Dr. Walter v. Christen, der das Amt bereits seit Oktober 1906 vertretungsweise geführt hatte. Er blieb bis zu seiner Versetzung an die Regierung in Hannover im Oktober 1914 in diesem Amt. Es wurde von Oktober 1914 bis Juli 1915 kommissarisch durch Dr. Max v. Bahrfeld verwaltet. 1915 wurde der inzwischen wieder genesene ehemalige Landrat Heinrich v. Gottberg wieder nach Bartenstein geholt. Er hat nochmals 15 Jahre bis 1930 die Geschicke dieses Kreises gelenkt. Sein Nachfolger wurde Dr. Friedrich Wever, der im Herbst 1944 in Ostpreußen den Soldatentod fand.
Nachdem 1917 das neue Kreishaus erweitert worden war, erfolgte zum 21. Oktober 1927 die offizielle Umbenennung des Kreises Friedland in „Kreis Bartenstein“.
Der nunmehrige Kreis Bartenstein war bis zu den Änderungen der Kommunalverfassung in den 30er Jahren in „Stadtgemeinden“, „Landgemeinden“ und - bis zu deren schon zuvor erfolgten fast vollständigen Auflösung - in selbständige Gutsbezirke gegliedert gewesen. So hatte im September 1929 im Kreis Bartenstein entsprechend der Entwicklung im gesamten Freistaat Preußen eine Gebietsreform stattgefunden. Hierbei wurden, mit einer Ausnahme, alle bisher selbständigen Gutsbezirke aufgelöst und in benachbarte Landgemeinden eingegliedert. Bei dieser Gelegenheit wurde der bisherige Gutsbezirk „Elisenau-Frisching, Forst“ vom Kreis Bartenstein in den Kreis Wehlau umgegliedert.
Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle Gemeinden. Die bisherigen „Stadtgemeinden“ Bartenstein, Domnau, Friedland und Schippenbeil führten von da an die offizielle Bezeichnung „Stadt“.
Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat mit Wirkung ab 1. April 1935 die im ganzen Deutschen Reich gültige Kommunalverfassung in Kraft, nach der die bisherigen „Landgemeinden“ nun offiziell als „Gemeinden“ bezeichnet wurden. Diese Gemeinden waren zu jeweils mehreren in „Amtsbezirken“ zusammengefasst.
Bereits zum 1. November 1928) wechselten die (1928 als solche noch existierenden) Gutsbezirke Bonschen, Glommen, Karolinenhof und Keegels vom Kreis Bartenstein in den Kreis Preußisch Eylau. Im Gegenzug kamen die Orte Spittehnen und Ardappen zum Kreis Bartenstein. Zur gleichen Zeit wurden die Orte Kolbitzen und Sawadden aus dem Kreis Rastenburg in den Kreis Bartenstein umgegliedert. Bei diesen Änderungen politischer Verwaltungsgrenzen kam es zur Abweichung von der bisher fast immer eingehaltenen Regel, dass die Kreisgrenzen identisch mit Kirchspielsgrenzen waren. Alle hier betroffenen Orte wechselten zwar ihre Kreiszugehörigkeit, nicht jedoch ihre Kirchspielszugehörigkeit.
Die Orte Bonschen (Ksp. Schönbruch), Glommen, Keegels und Karolinenhof (alle Ksp. Bartenstein/St. Johann), die in den Kreis Pr. Eylau wechselten, blieben Bestandteile ihrer im Kreis Bartenstein liegenden Kirchspiele. Umgekehrt verblieben die zum Kirchspiel Borken im Kreis Pr. Eylau gehörenden Orte Spittehnen und Ardappen, die in den Kreis Bartenstein eingegliedert wurden, bei ihrem im Kreis Pr. Eylau gelegenen Kirchspiel Borken. Gleiches galt für die in den Kreis Bartenstein eingegliederten Orte Kolbitzen und Sawadden. Sie verblieben weiterhin beim im Kreis Rastenburg gelegenen Kirchspiel Leunenburg.